Die größte nationale Studie zum Ausmaß, den Umständen und Folgen sexueller Belästigung im Medizinstudium in Deutschland.
42,1 % aller befragten Medizinstudierenden berichten, während ihres Studiums sexuell belästigt worden zu sein. Die Prävalenz steigt mit jedem Ausbildungsabschnitt.
Je weiter Studierende im Studium fortschreiten, desto häufiger berichten sie von sexueller Belästigung.
Im Praktischen Jahr berichten drei von vier Studentinnen, während des Studiums sexuell belästigt worden zu sein.
OR = 10,3 [6,2–17,4]; p < 0,001; n = 604
Patient:innen sind die häufigsten Verursacher:innen, gefolgt von Kommiliton:innen und ärztlichem Fachpersonal. Hierarchische Strukturen spielen eine zentrale Rolle.
Angaben in Prozent der betroffenen Studierenden (Mehrfachnennung möglich). Anteil mit mind. einmaliger Erfahrung aus der jeweiligen Personengruppe.
Sexuelle Belästigung beeinflusst die psychische Gesundheit, das Studienverhalten und die Karriereplanung – insbesondere bei der Fachwahl.
der Betroffenen berichten Auswirkungen auf ihr psychisches Wohlbefinden
meiden bestimmte Personen oder Situationen aufgrund ihrer Erfahrungen
berichten, dass SH-Erfahrungen ihre Wahl der Facharztrichtung beeinflusst haben
Chirurgische Fächer weisen die höchsten Belästigungsraten auf.
Absolute Häufigkeiten; Mehrfachnennung möglich (n = 2.399)
Sexuelle Belästigung im Medizinstudium ist mehr als eine individuelle Erfahrung – sie ist Ausdruck institutionalisierter Machtdynamiken. Strukturelle Reformen sind dringend notwendig.
Obwohl Beratungs- und Meldestrukturen an den meisten Fakultäten existieren, melden nur 12,7 % der Betroffenen einen Vorfall. Die Gründe dafür sind vielschichtig.
Es besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen institutionellen Angeboten und deren Wahrnehmung durch Studierende. Betroffene bewerten bestehende Strukturen signifikant negativer als nicht-betroffene Kommiliton:innen.
Aus den Daten beider Studien lassen sich konkrete Empfehlungen für medizinische Fakultäten und Kliniken ableiten.
Verbindliche Richtlinien und eine gelebte Haltung – nicht nur in Dokumenten, sondern in Führung, Lehre und Klinikpraxis sichtbar kommuniziert.
Gezielte Schulungen für Studierende, Lehrende und klinisches Personal zur Erkennung, Prävention und Reaktion auf Belästigung.
Beratungsangebote regelmäßig in Einführungsveranstaltungen, Lehre und digitalen Lernplattformen vorstellen.
Beratungsstellen als vertrauliche Anlaufstellen positionieren – Fokus auf Entlastung und Beratung statt Schuldzuweisung.
Anonyme, digitale Meldewege und unabhängige Beratung durch geschulte Ansprechpersonen ermöglichen.
Abläufe und erwartbare Schritte bereits vor Kontaktaufnahme klar darstellen; Rückmeldung an Betroffene geben.
Institutionelles Bekenntnis zum Schutz meldender Personen vor negativen sozialen, akademischen oder beruflichen Folgen.
Meldungen, Maßnahmen und Verbesserungsprozesse erfassen, regelmäßig berichten und für Strukturentwicklung nutzen.
Die Daten dieser Erhebung sind in zwei wissenschaftliche Publikationen eingeflossen.